Handy

HTC Sensation unter der Lupe

16.07.2011 - 11:31

Das neue Android-Flaggschiff von HTC fährt mit riesigem 4,3-Zoll-Screen und ordentlich Power unter der Haube vor. Nur das Design reisst einen nicht vom Hocker.

Was darf man von einem Smartphone erwarten, das sich selbst als Sensation bezeichnet? Natürlich jede Menge. HTC denkt sich offenbar „viel hilft viel“ und gibt dem Sensation alles mit, was gut und teuer ist: einen grossen Bildschirm, denn der bietet viel Platz und Übersicht; einen Chipsatz mit zwei Kernen, denn der liefert viel Rechenleistung für geschmeidiges Arbeiten; Android mit neuer Sense-Oberfläche, denn die hält viele Personalisierungsmöglichkeiten parat – und selbst­redend den Zugang zum Android Market, denn in dem warten sehr, sehr viele Apps. Dazu gibt’s ein üppiges Multimedia-Paket mit Viel-Megapixel-Kamera und voilà – fertig ist die Sensation. Aber ist das tatsächlich so?

Äusserlich kein Aufreger

Während die Abteilung „Namensfindung“ bei HTC alles gibt, setzen die Gehäusedesigner positiv ausgedrückt auf Bewährtes: Das Sensation sieht fast genauso aus, wie jedes andere HTC-Smartphone auch. Allein der dezente Facettenschliff des aus äusserst widerstandsfähigem Gorilla-Glas gebauten Bildschirms, der zum Rahmen hin leicht abgeflacht ist, und die schräg statt gerade verlaufenden Kunststoffelemente auf der Rückseite geben dem Sensation eine etwas eigene Note.

Dabei ist die Verarbeitungsqualität wie von HTC gewohnt sehr hoch und gewissenhaft. Knarzlaute sind dem Sensation nur wenige zu entlocken, allein die längsseitig angebrachte Wippe für die Lautstärkeregelung hat leichtes Spiel und wackelt ein wenig.

Metallrahmen plus Kunststoff

Ähnlich wie das Desire S steckt auch das Sensation in einem aus einem Aluminiumstück gefertigten Unibody-Gehäuse; die eben erwähnten Kunststoffelemente fallen im Vergleich jedoch deutlich grösser aus. Denn: Metall hat bekanntlich eine abschirmende Wirkung, daher liegt der Schluss nahe, dass HTC kein Risiko eingehen und die Funkeigenschaften nicht beeinträchtigen wollte.

Und die Rechnung ist aufgegangen: Anders als das in dieser Disziplin schwächelnde Desire S hat das Sensation bei unseren Labormessungen in der TESTfactory sowohl im UMTS- als auch im GSM-Betrieb überdurchschnittlich gute Sende- und Empfangseigenschaften bewiesen.

Anfang Juni sind im Internet diverse Berichte über WiFi- und Bluetooth-Empfangsprobleme des Sensation aufgetaucht. Konkreter Vorwurf: Bei einer bestimmten Haltung soll die Verbindung zum gekoppelten Gerät oder WLAN abreissen.

In der Praxis: Legt man das Smartphone im Querformat in die Handfläche und hält die Finger fest geschlossen, nimmt der WLAN-Empfang tatsächlich ein wenig ab; der Effekt ist jedoch so gering und der erforderliche Handgriff im Alltag sehr ungewöhnlich – von einem K.o.-Kriterium kann also keine Rede sein. Ausserdem gilt es zu bedenken, dass bei den allermeisten Handys ähnliche Effekte auftreten, wenn die Antennen bewusst abgeschirmt werden – Stichwort „Antennagate“ beim Apple iPhone 4.

Sehr hochauflösendes Display

Dem Trend zu grossen Bildschirmen folgend stattet HTC sein neues Flaggschiff mit einem riesigen 4,3 Zoll messenden Super-LC-Display aus. Das löst mit 960 x 540 Pixeln deutlich höher auf als alle anderen Android-Smartphones und kommt sehr nah an den aktuellen Auflösungskönig, das Retina-Display des iPhone 4 mit 960 x 640 Pixeln, heran.

Der Bildschirm des Sensation überzeugt zudem mit hohen Kontrastwerten, sehr guter Farbtreue und einem weiten Blickwinkelbereich. An die brillanten Darstellungen von OLED-Displays mit kräftigen Farben und sattem Schwarz, wie sie etwa der derzeitige Smartphone-Spitzenreiter Samsung Galaxy S2 bietet, kommt das Sensation allerdings nicht heran. Ein häufiges Übel bei Smartphones mit grossem Bildschirm: An besonders sonnigen Tagen hat man im Ausseneinsatz das Problem, dass die Anzeige stark spiegelt, was die Ablesbarkeit beeinträchtigt.

Dafür reagiert der Touchscreen beeindruckend schnell und sehr zuverlässig auf Fingereingaben. Jede Berührung wird sicher erkannt und sofort umgesetzt. Egal, ob beim Starten von Anwendungen, Zweifingergesten in Google Maps oder Doppeltipps beim Websurfen – die Performance des Sensation liegt auf Spitzenniveau.

Verantwortlich dafür zeichnet der Chipsatz, der zwei Kerne mit je 1,2 Gigahertz Taktfrequenz verbaut hat und der optimal auf den berührungsempfindlichen Bildschirm abgestimmt ist. Ergänzt wird die Touchscreen-Steuerung durch die vier obligatorischen und als Sensortasten ausgeführten Android-Bedienelemente unterhalb der Anzeige.

Gingerbread gibt Gas

Als Betriebssystem werkelt Googles Android in der derzeit aktuellen Version 2.3 alias Gingerbread, als Benutzeroberfläche kommt HTC Sense in der überarbeiteten Version 3.0 zum Einsatz. Das Sensation ist damit das erste HTC-Smartphone mit der neuen Sense-UI, die im Übrigen auch auf dem ersten Tablet derTaiwaner, dem HTC Flyer, installiert ist.

Neben einem optischen Facelift der Oberfläche, einigen schicken 3D-Effekten – etwa beim Durch­scrollen des mehrteiligen Startbildschirms – sowie wirklich beein­druckenden und mit Soundeffekten hinterlegten Wetteranimationen überzeugt vor allem die neue aktive Bildschirmsperre. Sobald das Sensation aus dem Standby erwacht, erscheint im unteren Bildschirmbereich ein nicht vollständig sichtbarer Ring.

Wird der von unten nach oben gezogen, ist die Sperre aufgehoben und der Startbildschirm freigegeben – so weit alles wie gewohnt. Wird dagegen eine der vier frei wählbaren Direktverknüpfungen, die auf dem Sperr-Screen liegen, in den Ring gezogen, startet die jeweilige Anwendung sofort, ohne dass man die Bildschirmsperre separat aufheben muss.

Im Hauptmenü findet sich vom Start weg jede Menge leider nicht deins­tallierbarer Software, etwa ein E-Book-Reader samt Store, die Lite-Version des Musikerkennungs­dienstes Soundhound, Facebook- und Twitter-Clients, zwei kleinere Spiele und das Videoportal HTC Watch. Hier können sich Kinoliebhaber Filme und Serien kaufen oder ausleihen.

Fazit: Licht und Schatten

Die ganz grose Sensation ist das neue HTC-Flaggschiff nicht geworden, der leicht schwächelnde Akku mit durchwachsenen 5:21 Stunden Power im Alltagseinsatz und knapp vier Stunden Gesprächszeit im UMTS-Betrieb hat wertvolle Punkte gekostet. Die Akustikwerte sind insgesamt solide, von dem leichten Rauschen in Empfangsrichtung einmal abgesehen.

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