Handy

Das iPhone 4S im ersten Praxistest

17.10.2011 - 11:00  |  von lherzog

Kategorien:News, Handy

Tags:Apple, iPhone, Testbericht, Neuheiten

Über das neue iPhone 4S wurde schon viel geschrieben, die Meinungen reichen dabei von "enttäuschender Nachfolger" bis zu "bestes Smartphone überhaupt". Ein erster Praxistest zeigt, dass die Wahrheit diesmal nicht irgendwo dazwischen liegt.

Darüber muss man eigentlich gar nicht viele Wörter verlieren, das 4S sieht genauso aus wie der Vorgänger. Nur wer ganz genau hinschaut, entdeckt Unterschiede. So besteht der Metallrahmen des iPhone 4S aus vier statt drei Teilen (neues Antennendesign) und die Lautstärketasten sind etwas niedriger positioniert. Einige mögen das als ideenlos empfinden, aber tatsächlich hatte Apple überhaupt keinen Grund, das Design zu verändern.
Mit seinem schnörkellosen Gehäuse aus zwei Glasplatten, die von einem Metallrahmen zusammengehalten werden, ist das iPhone 4(S) jedem anderen Smartphone auf dem Markt überlegen. Design und Haptik schlagen selbst die Flaggschiff-Modelle der Konkurrenz wie das Samsung Galaxy S2 (Kunststoff) oder HTC Sensation (Metall-Unibody mit Kunststoff-Elementen) um Längen. Auch die Verarbeitung ist beim iPhone 4S wie von Apple gewohnt herausragend.


Display

Das Display hat Apple ebenfalls unverändert vom Vorgänger übernommen – für viele eine Enttäuschung, die auf einen grösseren Bildschirm gehofft hatten, schliesslich haben sich 4-Zoll-Displays in der Smartphone-Oberklasse mittlerweile etabliert. Ob das Display zu klein ist, ist letztendlich Geschmackssache. Die Darstellung ist zwar weniger pompös als auf einem Galaxy S2 mit 4,3-Zoll-Display, dafür aber unerreicht scharf (960x640 Pixel) und sehr hell und kontrastreich. Ausserdem erreicht man mit dem Daumen jede Ecke des Displays.

iOS 5 mit Dualcore-Prozessor A5

Eine der zahlreichen Neuerungen des Betriebssystems iOS 5 bemerkt man gleich mit dem ersten Einschalten: Das iPhone 4S muss nicht über iTunes aktiviert werden, nach dem Einrichtungsprozess kann es sofort losgehen. Auch System-Updates werden jetzt direkt und drahtlos auf das Handy geladen und installiert. Weitere wichtige Verbesserungen sind das Benachrichtigungszentrum Notification Center, der Mitteilungsdienst iMessage, der Zeitschriftenkiosk Newsstand, neue Funktionen für den Safari-Browser, die Kamera-App, die Mail-Anwendung und den Kalender. Hier stellen wir das iOS 5 ausführlich vor.


Das Notification Center informiert über aktuelle Ereignisse

Mit iOS 5 reicht Apple einige Funktionen nach, die bei anderen Systemen längst Standard sind. So werden aktuelle Ereignisse direkt auf dem gesperrten Startbildschirm angezeigt und ein vertikaler Wisch über den Touchscreen zieht wie bei Android die Statusleiste nach unten, die aktuelle Informationen über das Wetter, neue E-Mails oder Facebook-Nachrichten anzeigt. Anderes findet man nur bei iOS, etwa die "Reader"-Funktion: Ein Klick auf das neue "Reader"-Icon im Browser direkt in der Adresszeile und der Artikel wird als Display-füllender Text angezeigt – störende Elemente wie Fotos, Werbung oder Randspalten werden ausgeblendet, sodass man sich voll aufs Lesen konzentrieren kann. Interessante Artikel lassen sich sogar für das spätere Offline-Lesen markieren, indem sie in einer "Reading-List" gesammelt und lokal auf dem Telefon gespeichert werden.

Der A5-Dualcore-Prozessor, der das System antreibt, ist gar nicht so neu. Apple setzt ihn bereits auf dem iPad 2 erfolgreich ein, das Anfang dieses Jahres vorgestellt wurde. Auf dem iPhone 4S wurde er sogar von 1 Gigahertz auf 800 Megahertz gedrosselt, um den Akku zu schonen. Es scheint unmöglich, damit Smartphones wie das Galaxy S2 zu übertrumpfen, deren CPUs jenseits der Gigahertz-Schwelle rechnen. Aber: Benchmark-Ergebnisse zeigen, dass der A5 im iPhone 4S zu den leistungsfähigsten mobilen Prozessoren der Welt gehört. Man spürt es auch bei der Nutzung: Das System reagiert verzögerungsfrei, Websites und Apps laden rasend schnell. Einen grossen Unterschied zum Vorgänger haben wir nicht bemerkt – aber das ist auch kein Wunder, das iPhone 4 ist ja bereits extrem flink unterwegs.

Man kann von Apple und seinem geschlossenen Bedienkonzept, das den Nutzer nicht selten bevormundet, halten was man will – mit iOS 5 hat das Unternehmen das fortschrittlichste mobile Betriebssystem im Angebot, das es momentan gibt. Natürlich findet man die meisten Funktionen auch auf anderen Systemen, aber die Kombination einer extrem schnellen, durchdachten und grafisch ansprechenden Oberfläche mit einzigartigen (und nahtlos in das System integrierten) Funktionen wie dem Safari Reader und Cloud-Diensten bietet momentan kein anderes System, auch Android nicht.


Siri und iCloud

Zwei Internet-Dienste kommen mit iOS 5 und dem iPhone 4S zum Nutzer: iCloud und die Sprachsteuerung Siri. Der persönliche Assistent kann nur helfen, wenn er mit dem Internet verbunden ist, denn digitale Spracherkennung ist so komplex, dass selbst der A5-Prozessor damit überfordert wäre und die Rechenkraft daher aus der Cloud kommen muss. Zu Verzögerungen führt das aber nicht, egal ob Wlan oder 3G, die Reaktion erfolgt meist in 1 bis 2 Sekunden nach Eingabe.

Während Siri nur auf dem iPhone 4S funktioniert, kommt iCloud mit iOS 5 auch auf das iPhone 4 und das iPhone 3GS. Dahinter verbirgt sich ein Synchronisations- und Backup-Dienst, der nahtlos mit iPhone, iPad, iPod Touch und Mac oder PC zusammenarbeitet, um automatisch alle persönlichen Daten (Kontakte, Kalender, etc.) sowie Fotos und Dokumente im Internet zu speichern und auf alle angebundenen Endgeräte zu pushen. Sobald sich Inhalte auf einem Gerät ändern, werden sie auf den anderen Geräten ebenfalls aktualisiert. So kann man etwa ein mit dem iPhone 4S geknipstes Foto später auch auf dem PC oder dem iPad anschauen, ohne dafür irgendetwas tun zu müssen. Apple stellt dazu jedem Nutzer 5 Gigabyte Cloud-Speicher zur Verfügung. Wer mehr braucht, kann Speicherplatz dazukaufen. Im Test funktionierte die iCloud-Synchronisation (mit einem MacBook und Mac OS X Lion) reibungslos.


Kamera

Vom starken Doppelkern-Prozessor profitiert auch die Kamera, sie ist spürbar schneller startbereit. Die Auslöseverzögerung wurde ebenfalls reduziert, sodass mehrere Fotos in kurzen Abständen hintereinander gelingen – praktisch vor allem bei bewegten Motiven. Ein Doppeltipp auf die Home-Taste blendet ausserdem ein Kamera-Icon auf dem Sperrbildschirm ein - man kann also Fotos machen, ohne den Touchscreen zu entsperren.

Fotos werden mit der Auflösung von 8 Megapixel (3264 x 2448 Pixel) in den Speicher gebannt, das iPhone 4 schafft nur 5 Megapixel (2569 x 1908 Pixel), hinzu kommen ein lichtempfindlicherer Bildsensor, ein neuer Infrarot-Filter und eine grössere Blende. Auch die Qualität der Aufnahmen wurde verbessert. Bereits die iPhone-4-Kamera macht für ein Smartphone sehr gute Fotos, aber beim 4S setzt Apple noch deutlich eins drauf. Die Aufnahmen wirken schärfer, die Farben strahlender und trotz der höheren Auflösung sind Fotos in dunkler Umgebung rauschärmer und detailreicher. Mit seiner neuen Kamera braucht sich das iPhone 4S nicht hinter Foto-Spezialisten wie dem Xperia Arc oder Galaxy S2 zu verstecken. Apple hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Das gilt übrigens auch für Videoaufnahmen, die jetzt mit der vollen HD-Auflösung von 1080p gelingen und von einem Bildstabilisator unterstützt werden. Die Filme verwackeln auch bei schnellen Bewegungen nicht und sind sehr scharf.


Fazit

Das iPhone 4S ist "nur" ein verbessertes Schwestermodell des iPhone 4 und diese Tatsache hat nicht wenige Apple-Fans bei der Produktvorstellung enttäuscht. Aber wer genauer hinschaut und das S-Modell mit anderen Smartphones vergleicht, kommt schnell zu dem Schluss, dass Apple ein ohnehin sehr gutes Gerät sinnvoll optimiert hat und dem Smartphone-Interessenten das momentan beste Gesamtpaket aus Hard- und Software bietet. Ob das den relativ hohen Preis rechtfertigt, ist eine andere Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss.

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